E-Scooter im ADFC-Selbstversuch: Daumen drauf!

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Ohne Daumen-Drücken geht gar nix: nur der Druck auf die „Go“-Taste des am Münchner Odeonsplatz per App angemieteten E-Scooters setzt den 20 km/h schnellen Stadtflitzer in Bewegung.

Lutz Bäucker, stellvertr. Vorsitzender ADFC Bayern, im E-Scooter-Selbstversuch. Foto: Richard Roth

Lutz Bäucker, stellvertr. Vorsitzender ADFC Bayern, im E-Scooter-Selbstversuch. Foto: Richard Roth

Die Fahrt ist eine ziemlich wackelige Angelegenheit, das Brett hat gerade Platz für zwei Füße, die Lenkstange ist so schmal, dass ich mich nicht traue, per Hand Zeichen zu geben. An manchen Radlern surre ich lässig vorbei, andere lassen mich locker stehen. Fußgänger sind überrascht vom neuen Spielgerät hipper Urbanauten, Autofahrer schauen beim Ampelhalt eher neugierig herüber. Und als älterer Scooter-Rookie ist man plötzlich sogar für junge Menschen interessant:“ Hey Mann!“ ruft einer, „wie cool ist dein Roller denn, so einen will ich auch!“

Leider ist das Ding nur eingeschränkt cool. Bei Bodenwellen oder Kanten, erst recht auf Kopfsteinpflaster wird der Roller viel stärker durchgeschüttelt als ein Fahrrad, Augen auf also bei der Spurwahl! Auf Radwegen und Straßen ist der Scooter-Pilot das schwächste Glied mit null Knautschzone – am besten also Helm auf! Kraft in den Händen ist auch von Vorteil – der Lenker braucht einen zupackenden Fahrer! Am einfachsten ist die Miete: Vermieter-App aufs Smartphone laden, Kreditkarte angeben, Karte studieren, zum nächsten verfügbaren Roller gehen, Start drücken. Die No-go-Zonen für Scooter (z.B. Englischer Garten) sind rot markiert, wer da rein rollern will, der wird sanft, aber bestimmt ausgebremst: dem Eindringling wird einfach der Strom abgedreht! 15 Minuten Scootern kostet rund 3 Euro 50 – kein billiger Spaß also.

Mein Fazit: Die Verkehrswende unterstützen, geschweige denn einleiten werden die unter Strom stehenden Roller nicht. Sie sind für längere Fahrten (über 2-3 km) nicht geeignet. Sie haben keine Zuladungsmöglichkeit.

Ob die Elektro-Scooter Menschen tatsächlich zum Umstieg vom Auto auf den Roller bewegen werden, bleibt fraglich. E-Scooter bringen der Versicherungswirtschaft mehr Geschäft, dem Bundesverkehrsminister ein paar leicht vergängliche Schlagzeilen und unseren Städten keine Entlastung im Verkehr. Im Gegenteil: Unsere eh schon überfüllten Radwege werden noch voller und damit noch gefährlicher. Folglich brauchen wir sehr schnell deutlich mehr Platz für Fahrrad und E-Scooter!

Für die „letzte Meile“ von der U-Bahn ins Büro machen die Elektro-Scooter vielleicht Sinn. Spaß damit haben wahrscheinlich jüngere Menschen und Jungdynamiker – aber nur solange, bis der Regen kommt.

Lutz Bäucker, stellvertr. Vorsitzender des ADFC Bayern

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